Falls Europa erwacht: Gedanken zum Programm einer Weltmacht am Ende des Zeitalters ihrer politischen Absence (suhrkamp taschenbuch)


 
mehr als ein luzider Traum
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(TOP 500 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Falls Europa erwacht: Gedanken zum Programm einer Weltmacht am Ende des Zeitalters ihrer politischen Absence (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch) Falls Europa erwacht - ein Titel, der anzweifelt oder vielleicht wachrütteln soll. Allerdings so wach, dass wir nicht in einem Lichttraum fallen, sondern Realität sehen. Es ist wie immer bei Sloterdijk eine Wonne, seinen essayistischen Gedanken zu folgen, um dann an den Punkt zu kommen, der einem Aufruf, einem GO for it!! entspricht. Auch hier, Europa beleuchtet aus der Entwicklung seit 1945, allein gelassen und von zwei Seiten umklammert. Dieses ist der eine Punkt. Dann die Erinnerung an ein Europa der Reiche, stark, kämpferisch, weltumspannend, erobernd, schließlich zerfallen. Das Reich hat nach 1945 ausgedient, es bleibt das Reich des Lateins in der Kirche als umfassendes, umspannendes Element dieses Europa und seiner Wurzel. (vgl. Ratzinger, Pera: Ohne Wurzel) Europa hat diese Stärke vergeben, weil verteilt, zugelassen zur Übernahme durch den Westen, den USA und ebenso durch den Osten, nach 1989 hat Russland eine neue Identität, die Gorbatschow als letzter Enkel Lenins vorbereitet hat. Nach Lenin und seinem letzten Nachfolger ist Russland (in europäischer Tradition) wieder offen für eine eigene Identität.
Das Zitat von Weizsäcker über die weiten Grenzen von Europa (San Francisco - Wladiwostok) ist interessant wegen seiner Deutung. Die tradierten Wurzeln liegen so wie er beschreibt. Aber Sloterdijk geht wie immer weiter. Er deutet die europäische Absenz nach 1945 um in einen stillschweigenden Auftrag, neues in unterschiedlichen Laboratorien (Kapitalismus=West vs. Kommunismus=Ost) zu testen, damit Europa die Wahl hat, aber nicht die Qual einer falschen Erfahrung. Diese Zurückhaltung ist aufzugeben, egal wie stürmisch die Zeiten werden. "Vorwärts, die Zeit zittert vor Europa", so könnte eine Umdeutung der Motivation von Vasco da Gama sein, der dieses seinen Seeleuten zurief, als jene eine stürmische See durch zu stehen hatten. (Vorwärts, Kinder, das Meer zittert vor euch!; 1492)
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. August 2005
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